50 und kein bisschen leise – Leon Tsoukernik zwischen Casino und Kunst

50 und kein bisschen leise – Leon Tsoukernik zwischen Casino und Kunst

Es ist ruhiger geworden um King’s Boss Leon Tsoukernik. Zumindest ein bisschen um den Pokerspieler Leon. Denn eigentlich ist Leon sehr viel unterwegs, spielt – und genießt das Leben und die Kunst.

Leon beim EPT Prag High Roller Sieg 2016

Viele Jahre verging fast kein Tag, an dem Leon nicht im King’s war. Seit 2003 hat er unzählige Tage in seinem Casino verbracht und aus dem kleinen Grenzcasino wurde das weltbekannte King’s Resort Rozvadov. Mitten im Nirgendwo, aber bekannt in der ganzen Pokerwelt. Spätestens als Austragungsort der WSOP Europe stieg das King’s in die Elite der Pokercasinos auf, aber eigentlich sind es die vielen anderen Events gewesen, die das King’s zu dem gemacht haben, was es heute ist. Einen großen Anteil am Aufstieg des King’s hatten sicherlich viele Poker Pros, die sich an den Tischen die Ehre gaben. Hauptsächlich, um sich mit Leon im Cash Game zu messen. Nicht selten gab es eine bittere Niederlage für die Pros, aber dennoch blieb Leon der dicke Fisch, den es zu fangen galt. Heute gibt es diese Duelle kaum mehr, auch die Zahl der weltbekannten Poker Pros bei den Großveranstaltungen ist deutlich zurückgegangen. „Seit wir aufgehört haben, den Pros nachzujagen, ist es mit dem King’s bergauf gegangen.“, ist die klare Ansage von Leon. Natürlich denkt er gerne an die alten Zeiten. aber spielen möchte er so nicht mehr. „Die haben keinen Spaß am Spiel und wenn ich spiele, möchte ich Spaß haben. Es geht vielen reichen Geschäftsleuten ähnlich – Poker ist ein tolles Spiel, aber nicht so, wie es die Pros spielen. Die meisten haben auch keinen Respekt und oft nicht mal das Geld in der Tasche, um sich einen Kaffee zu leisten. Das sind mit die Gründe, warum manche High Roller Events funktionieren und manche nicht. Früher wollten wir immer möglichst viele Pros an den Tischen haben, aber das war falsch. Bei der letzten WSOP Europe oder auch bei der EPT Prag hatten wir deutlich weniger bekannte Namen, aber richtig gute Partien“.  Er setzt sogar noch einen drauf und erinnert an seine Auseinandersetzung mit Aussie Matt vor einigen Jahren. Leons Schulden von damals sind längst beglichen. Und ein paar Millionen hat sich Leon in späteren Partien noch dazu geholt. „Matt war gierig und was ist ihm geblieben? Gar nichts!“. Generell hat Leon so seine Probleme mit den amerikanischen Pros. Schon vor Jahren hatte Justin Bonomo an ihm harsche Kritik geübt und ihm Betrügereien vorgeworfen. Absolut kein Verständnis hatte Leon dann auch, als bei der letzten WSOP die Hetzjagd auf Martin Kabrhel gestartet wurde. „Das ist ein kleiner Kreis von Spielern, die nicht wollen, dass da jemand kommt und gewinnt. Schon gar kein Europäer. Es kann immer eine Karte kaputt gehen. Aber wenn ich mich dann sofort rechtfertigen muss, dann macht das Spiel keinen Spaß. Darauf kann ich verzichten und viele andere, die ich kenne, auch. Damit werden diese High Roller immer nur ihr eigenes Geld hin und her schieben, denn so ein Verhalten braucht man nicht. Wenn die Pros ins King’s kommen wollen, sind sie herzlich willkommen. Aber sie bezahlen, dass sie kommen, oder ihnen hinterher laufen, das wird es nicht geben“.

Kurzbesuch im Casino Wien

Die Strategie gibt Leon auf jeden Fall recht, denn an gut situierten High Rollern mangelt es weder an den Pokertischen, noch bei den Casino Games im King’s. Leon selbst sieht man aktuell seltener an den Pokertischen, öfter aber dafür am Roulette Tisch. Und wenn es nur für zwei Spins ist, wie zuletzt im Casino Wien Anfang Dezember. Ein Opernbesuch hatte Leon nach Wien geführt und zu sehr später Stunde hatte er noch Lust auf einen Abstecher ins Casino. Die letzten zwei Spiele brachten ihm ein Plus von fast € 250.000 netto. Und den Angestellten im Casino Wien ein richtig fettes Trinkgeld von mehr als € 40.000. Generell hat Leon nur gute Erinnerungen an seine Ausflüge in die Casinos Austria. Fette Roulettegewinne während der German High Rollers Aufzeichnung im Casino Velden machten ebenso die Runde wie der legendäre Gewinn am „Book of Ra“ Slot im Casino Seefeld.

Den Scheck vom Casino Seefeld hat Leon zur Erinnerung aufbewahrt

Aber Leon genießt nicht nur seine Ausflüge in die Casinos, denn auch das Leben will gelebt werden. Letzten November, als die WSOP Europe im King’s Resort ausgetragen wurde, feierte Leon seinen Fünfziger. Auf den Malediven mit Familie und einigen seiner engsten Freunde. Nach wie vor ist auch die Kunst Leons große Leidenschaft. Als Antiquitätenhändler gehört er seit fast schon 30 Jahren zu den besten Biedermeier Experten weltweit. Seine private Kunstsammlung ist nicht nur in Fachkreisen bekannt. Ein Besuch bei Leon zu Hause hat etwas von einem Museumsbesuch, auch wenn Kinder und Hund an den Antiquitäten vorbeirauschen, als wäre es das Selbstaufbauregal von Ikea. Wenn man Leon kennt und weiß, dass der Hangar seinen Namen tatsächlich wegen des Helikopters hat, fällt zumindest das Überraschungsmoment weg, wenn man die riesige Halle betritt. Aber auch alles andere darin befindliche lässt einem den Mund offen stehen. Der Fuhrpark hat einen Millionenwert, schließlich müssen die Casinogewinne auch angelegt werden.

Leon – im Hintergrund der Refik Anadol

Tatsächlich haben aber die Kunstwerke zwischen den Autos und an den Wänden einen weit höheren Wert als die PS-starken Karossen. Einige der Tony Cragg Skulturen standen schon im King’s Resort, fanden aber dort kaum Beachtung von den Spielern. Kunstkenner schätzen die unglaubliche Sammlung von Leon. Auch die Wiener Albertina hat wieder bei ihm angefragt. Im April wird ein dritter Standort der Albertina in Klosterneuburg im Essl Museum eröffnet. „Kunst nach 1945“ soll im Mittelpunkt stehen und dafür gibt es eine Leihgabe von Leon. Ein Werk von Medienkünstler Refik Anadol soll das neue Museum erstrahlen lassen.

Langeweile gibt es im Leben von Leon nicht. Drei Casinos (das King’s Resort, das Admiral Rozvadov und auch das King’s Prag) brauchen schon Aufmerksamkeit, auch wenn er selbst gar nicht mehr so oft in den Casinos anzutreffen ist. Es kann sogar vorkommen, dass er ins King’s kommt und seinen Ausweis zeigen muss, weil eine neue Mitarbeiterin den Boss noch nie gesehen hat. Wenn Leon von seinem Team redet, kommt er ins Schwärmen. „Wir haben ein tolles Team, sei es Tarkan oder auch Federico und die vielen anderen, die zu unserem Erfolg beitragen. Teresa macht in Prag einen wunderbaren Job und hat dort wirklich schon gute Pokeraction aufgebaut.“  

Aktuell läuft eine neue Ausgabe des WSOP Circuits im King’s Resort – und Leon ist zum Skifahren mit der Familie in Italien. Wer Probleme hat, sich Leon auf Ski vorzustellen – nein, er fährt tatsächlich nicht Ski. Aber die Kinder lieben es und schließlich dreht sich nicht immer alles um die Roulettekugel. Und die 29.

Author: Adam Martin