Bad Wiessee am noblen Tegernsee: Spielcasino wird Flüchtlingsheim | Regional

Bad Wiessee am noblen Tegernsee: Spielcasino wird Flüchtlingsheim | Regional

Bad Wiessee – Frauen in schwarzen Kleidern, Männer in Smokings: Einst vergnügten sich in der Spielbank Bad Wiessee die Reichen und Schönen.

Jetzt leben hier die, die fast alles verloren haben.

Die Gemeinde Bad Wiessee hat ihre ehemalige Spielbank zum Flüchtlingsheim umgebaut. Laut dem Ersten Bürgermeister Robert Kühn (40, SPD) leben aktuell rund 30 Ukrainer im ehemaligen „Bayerischen Hof“ an der Hauptstraße des Ortes am noblen Tegernsee.

Ganz in Schwarz: Gäste der Spielbank Bad Wiessee in den 60er Jahren

Ganz in Schwarz: Gäste der Spielbank Bad Wiessee in den 60er Jahren

Foto: GEMEINDE BAD WIESSEE

1957 eröffneten die Spielbanken Bayern das Casino im ehemaligen „Café Bauer“ an der Münchner Straße – eine Zweigstelle der Spielbank in Garmisch. Im großen Saal standen Karten- und Roulette-Tische. Jetons klackten, Zigarettenrauch, Drinks – das leichte Leben.

170 000 Gäste kamen ins Casino bis 1969. Dann wurde es zu klein. Die Spielbanken bauten ein neues Haus am See. Das alte Casino wurde ein Tanzcafé, ein Wienerwald – und stand dann länger leer. 2022 kaufte es die „Hexal“-Milliardärsfamilie Strüngmann.

Das Ex-Casino stand die letzten Jahre leer

Das Ex-Casino stand die letzten Jahre leer

Foto: Theo Klein

Für Bürgermeister Robert Kühn ist das Casino ein Glücksfall – er hat nämlich Platzprobleme. „Wir haben aktuell rund 100 Flüchtlinge aus der Ukraine bei uns in der Gemeinde. An der Spitze waren es 160.“ 35 Neue sollen bald dazu kommen.

Die Flüchtlinge – laut Kühn fast nur Mütter mit Kindern – brachte die Gemeinde so gut sie konnte unter. „Wir hangelten uns von Notunterkunft zu Notunterkunft. Oft waren es alte Gebäude, die leer standen“, sagt Kühn.

Eine Ukrainerin wäscht Kleidung in einer der Waschmaschinen

Eine Ukrainerin wäscht Kleidung in einer der Waschmaschinen

Foto: Theo Klein

Ein Bewohner in der Küche

Ein Bewohner in der Küche

Foto: Theo Klein

Die Gemeinde konnte diese Häuser aber nur für kurze Zeit pachten. Die alte Spielbank kam Kühn deshalb gerade recht. „Wir haben die Flüchtlinge in den ehemaligen Angestelltenzimmern im ersten Stock untergebracht – erst mal in den Zimmern, die sich schnell sanieren lassen.“

Die Spielbank in den 60er Jahren

Die Spielbank in den 60er Jahren

Foto: GEMEINDE BAD WIESSEE

Der alte Spielsaal mit den Roulette-Tischen ist jetzt ein Aufenthaltsraum – in der Küche können sich die Flüchtlinge etwas kochen.

Weitere Zimmer will Kühn je nach Bedarf renovieren lassen – nach und nach. Bis zu 70 Menschen hätten hier Platz.

Und dann? Nichts geht mehr? Kühn: „Wenn es denn sein muss, bekommen wir im Ort noch mehr Flüchtlinge unter.“

Author: Adam Martin