Macau: Beim Glücksspiel liegt die Sonderverwaltungszone Chinas weit vor Las Vegas

Macau: Beim Glücksspiel liegt die Sonderverwaltungszone Chinas weit vor Las Vegas

Die Region

Ein Hauch Portugal in China? Reisende sind oft überrascht vom mediterranen Flair vieler Orte in Macau, besonders im Unesco-Welterbe-gekrönten historischen Zentrum. Tatsächlich war die heutige Sonderverwaltungszone der Volksrepublik, gelegen im Mündungsdelta des Perlflusses, noch bis Ende 1999 portugiesisch – zweieinhalb Jahre länger als das nahe Hongkong britisch war.

Macau gilt damit als letzte europäische Kolonie in Asien. Und sie war auch die erste: Bereits 1513 landeten die Portugiesen auf der Insel und pachteten sie ab 1557. Sie trieben Handel mit Seide und Gewürzen – und etablierten, mehr als die Briten, ihre eigene Kultur, bauten Plätze, Gotteshäuser, schickten Missionare. Zwar sind über 80 Prozent der Bevölkerung Buddhisten, doch hat die katholische Kirche weiterhin Einfluss, etwa bei Bildungs- und Sozialeinrichtungen, und auch die Karfreitagsprozession ist gut besucht.

Die Kirchen aus portugiesischer Zeit sind ebensolche Besuchermagnete wie die alten chinesischen Tempel. Als ältester gilt der A-Ma-Tempel, dem Macau seinen Namen verdanken soll. Auch er steht im historischen Zentrum, das, so die Unesco, „die längste Begegnung zwischen dem Westen und China“ auf „herausragende Weise darstellt“.

Macau

Quelle: Infografik WELT

Passend dazu sind die Amtssprachen bis heute Portugiesisch und Chinesisch (Mandarin, Kantonesisch). Obwohl sich Macau durch Landgewinnung vergrößert hat, ist die Bevölkerungsdichte mit 700.000 Einwohnern auf 118 Quadratkilometern eine der höchsten weltweit.

Das Las Vegas von Asien

Glitzernde Neonlichter, klingelnde Spielautomaten, wirbelnde Roulettekugeln, gigantische Live-Shows: Macau ist bekannt als das „Las Vegas Asiens“. Dabei hat die Glücksspieloase das US-Vorbild längst überholt. Schon vor der Pandemie machten Macaus Zockerpaläste siebenmal so viel Umsatz wie die in Las Vegas. Vor allem Besucher aus Festlandchina und Hongkong strömen nach Macau, Chinas einzigem Ort, an dem Glücksspiel nicht verboten ist.

Mit 700.000 Einwohnern auf 118 Quadratkilometern ist die Bevölkerungsdichte von Macau eine der höchsten weltweit

Mit 700.000 Einwohnern auf 118 Quadratkilometern ist die Bevölkerungsdichte von Macau eine der höchsten weltweit

Quelle: Sean Hsu/Alamy Stock Photos/mauritius images

In all ihrem Gigantismus sind die Gambling-Tempel auch für Nicht-Spieler überwältigend. Etwa das größte Casino der Welt mit mehr als 800 Spieltischen im „Venetian Macau“. Besucher schlendern dort durch ein Fake-Venedig mit nachgebautem Markusplatz und Kopien venezianischer Gondeln auf Kanälen.

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Bizarr sind auch die Casinohotels „Londoner Macao“ mit Big Ben, Westminster-Palast und stilvoll zelebrierter Teestunde sowie „The Parisian“, das mit einer Imitation des Eiffelturms lockt. Er leuchtet nachts alle 15 Minuten in Farbe auf.

Ein Erbe der Jesuiten in Macau

Die Ruinen der Pauluskirche sind das wohl bekannteste Wahrzeichen Macaus. Als Kühlschrankmagnet wird es in den Souvenirläden millionenfach verkauft. Das katholische Gotteshaus wurde von 1602 bis 1640 errichtet, es gehörte zum Gelände des St. Paul’s College, das portugiesische Jesuiten zuvor als erste westliche Universität im Fernen Osten gegründet hatten.

Eine breite Treppe führt hinauf zur Ruine der Pauluskirche in Macau

Eine breite Treppe führt hinauf zur Ruine der Pauluskirche in Macau

Quelle: Michael Riehle/DUMONT Bildarchiv/picture-alliance

1835 zerstörte ein Feuer das gesamte Anwesen – bis auf die Fassade der Kirche. Da asiatische Christen beim Bau mitwirkten, finden sich zwischen den religiösen Figuren, darunter die jesuitischen Heiligen, auch orientalische Motive wie chinesische Löwen.

Besucher können eine Treppe hinaufsteigen, um die Fassade und den Blick auf die Stadt zu bewundern, dazu gibt es ein Museum. Seit 2005 gehören die Ruinen als Teil des historischen Zentrums zum Welterbe der Unesco.

Die älteste Fusionsküche der Welt

Sie ist eine delikate Mischung aus chinesischen und portugiesischen Gerichten, garniert mit Einflüssen aus anderen Ländern Asiens und Europas: die macauische Küche. Als Nationalgericht gilt minchee, gebratenes Hackfleisch mit Zwiebeln und Kartoffeln. Eine andere Spezialität ist galinha à africana, gegrilltes Hähnchen mit scharfer Soße.

Quelle: Infografik WELT

Unbedingt probieren sollten Besucher die wohl beliebteste Süßigkeit: p‘ou tát, kantonesisch für „Portugiesisches Eiertörtchen“. Diese gefüllten Blätterteigtörtchen ähneln den portugiesischen pastel de nata – unwiderstehlich lecker. Mit ihrer über 400-jährigen Geschichte gilt die macanese cuisine als älteste Fusionsküche der Welt.

Nervenkitzel auf dem Skywalk

233 Meter hinab stürzen sich jene, die den welthöchsten Bungee-Sprung von einem Gebäude wagen – vom Macau Tower, einem 338 Meter hohen Fernsehturm mit begehbarem Außenring auf 233 Metern. 2007 stellte der neuseeländische Extremsportler Alan John Hackett dort den Guinnessbuch-Weltrekord für den höchsten kommerziellen Bungee-Sprung auf.

Man muss für einen Adrenalinkick nicht vom Macau Tower springen: Besucher auf dem Außenring des Turms

Man muss für einen Adrenalinkick nicht springen: Besucher auf dem Außenring des Turms

Quelle: LightRocket via Getty Images/Stefan Irvine

Wem der Mut fehlt, es ihm nachzutun, bucht einen Skywalk auf dem 1,50 Meter schmalen Außenring. Der ist allerdings auch nichts für Höhenängstliche: Es gibt nämlich kein Geländer, Besucher sind nur mit Leinen gesichert. Der Turm bietet aber auch eine verglaste Panorama-Plattform und ein Dreh-Restaurant.

Das Zitat

„Die süße Sprache Macaus“

So nennen lokale Dichter Patuá, die Mischsprache der Insel – in Anlehnung an „süße Sprache“, wie Miguel de Cervantes, Autor von „Don Quijote“, das Portugiesische nannte. Denn Patuá, auch Macanesisch genannt, basiert auf Portugiesisch. Dazu kommen Anteile vom Kantonesischen, Malaiischen, Hindi, außerdem Japanisch und weitere Einflüsse aus der Zeit der seefahrenden Kolonialherren. Entstanden ist eine klangvolle Sprache; so heißt etwa „Co fula mogarim“ übersetzt „mit einer Jasminblüte“.

Die Unesco listet Macanesisch als vom Aussterben bedroht, doch seit einigen Jahren wird die Sprache revitalisiert. Einer der Förderer ist ein Deutscher, der Sprachexperte Harald Brüning, Chef der Zeitung „The Macau Post Daily“. Es gibt auf Patuá Kurzfilme sowie Aufführungen der Theatergruppe Dóci Papiaçám di Macau („Süße Sprache Macaus“).

Skurriles, Rekordverdächtiges, Typisches: Weitere Teile unserer Länderkunde-Serie finden Sie hier.

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Author: Adam Martin